Hans-Heinrich Dieter

GrĂŒner Irrsinn   (06.09.2022)

 

Kanzlerin Merkel hatte 2009 die Laufzeiten fĂŒr Atomkraftwerke in Deutschland gut begrĂŒndet verlĂ€ngert, um zwei Jahre spĂ€ter die Fukushima-Katastrophe aus rein wahltaktischen GrĂŒnden zu benutzen, um die 180°-Energiewende - mit der EU nicht abgestimmt - unter Ausnutzung von BĂŒrgerĂ€ngsten zu entscheiden. Damals wurde das Auslaufen der AKW bis Ende 2022 beschlossen.

Hektik, Hysterie und 180-Grad-KursÀnderungen in der Energiepolitik sind ganz offensichtlich ein deutsches Alleinstellungsmerkmal, das bei unseren Nachbarn UnverstÀndnis, Spott, gelegentlich Mitleid oder auch klammheimliche Freude, wegen der absehbaren ökonomischen und politischen SelbstbeschÀdigung hervorruft.

Anders unsere Nachbarn: Frankreich und Großbritannien wollten auf keines ihrer zahlreichen AKW verzichten. Tschechien hat sein veraltetes Kernkraftwerk Temelin an der Grenze zu Deutschland uneingeschrĂ€nkt weiter genutzt. Polen und Bulgarien wollen dringend neue AKW. Italien leitete den Bau von 5, RumĂ€nien von 4 neuen AKW in die Wege. Und Frankreich setzt den Schwerpunkt auf neue moderne AKW und auch Großbritannien baut neue Anlagen. German Angst…

Diese Beispiele europĂ€ischer energiepolitischer RealitĂ€t zeigen sehr deutlich, dass wir mit unserer auf den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie fixierten Energiepolitik alleine sind in Europa – oder anders ausgedrĂŒckt die einzigen UnvernĂŒnftigen. Andere europĂ€ische Bevölkerungen haben erkennbar weniger Angst bzw. ein weniger stark ausgeprĂ€gtes SicherheitsbedĂŒrfnis und wollen Energie durch einen ĂŒberhasteten Ausstieg aus der Kernenergie nicht zu einem “Luxusgut” werden lassen, das Wohlstand, Wachstum und Wirtschaft beeintrĂ€chtigt.

Und die Verantwortung Deutschlands als bedeutendste Wirtschaftsmacht Europas bedingt auch, dass Deutschland sein Wirtschaftspotenzial erhĂ€lt und fĂŒr gleiche ökonomische und ökologische Bedingungen im Wirtschaftsraum Europa sorgt. Die deutsche Bevölkerung darf durch energiepolitische deutsche AlleingĂ€nge ohne Zugewinn an Sicherheit und bei gleichbleibenden Risiken in Europa nicht beeintrĂ€chtigt und benachteiligt werden. Dieser Verantwortung werden wir derzeit nicht gerecht!

Deutschland befindet sich nun zusammen mit Europa in einer Energie-Notsituation. Und trotzdem wurde auf der Grundlage eines fragwĂŒrdigen Stresstestes entschieden, dass das AKW Emsland Ende 2022 abgeschaltet werden soll und zwei der drei verbliebenen deutschen AKW - Isar 2 und Neckarwestheim 2 - bis zum FrĂŒhjahr 2023 lediglich als Notreserve fĂŒr die Stromversorgung bereitstehen, aber keinen Strom liefern sollen. Die zwei Meiler sind also nicht weg und kosten viel Geld, aber auch nicht mehr richtig da und sind ihr Geld also möglicherweise nichts wert!

Da gehen die Meinungen der Politiker stark auseinander: WĂ€hrend Außenministerin Annalena Baerbock den Weiterbetrieb von AKW „irrsinnig“ nennt, halten es vier von fĂŒnf Deutschen fĂŒr irrsinnig, in der grĂ¶ĂŸten Energiekrise, die es hierzulande je gab, aus einer verlĂ€sslichen Stromquelle auszusteigen. Eine neue Umfrage des NDR ergab, dass sogar die Mehrheit der niedersĂ€chsischen GrĂŒnen-WĂ€hler gegen eine Abschaltung der verbleibenden AKW ist. Die Unionsparteien CDU/CSU, aber auch die an der Regierung beteiligte FDP hatten fĂŒr einen Fortbetrieb der AKW geworben. Der FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr bekrĂ€ftigte nach dem Auftritt von Habeck, man rate dringend, die Laufzeit aller drei verbliebenen AKW zu verlĂ€ngern. Und CDU-Chef Merz sagte im DLF: „Wir mĂŒssen nicht nur ĂŒber die Netze und ihre StabilitĂ€t reden, wir mĂŒssen ĂŒber die StromerzeugungskapazitĂ€ten sprechen, und da hakt es an allen Ecken und Enden. Überhaupt noch daran zu denken, StromerzeugungskapazitĂ€ten, die wir in Deutschland haben stillzulegen, ist völlig absurd.“ Wie so oft hat Merz recht!

Gestern, bei den einfĂŒhrenden Worten zur Vorstellung der Ergebnisse des Stresstestes, wirkte Habeck nervös und unsicher. Es schien als ob er Angst hat vor den irrsinnigen GrĂŒnen und vor den vernĂŒnftigen BĂŒrgern mit gesundem Menschenverstand. Deswegen hatte er sich wohl auch rasiert und trug Krawatte, um den schlechten Eindruck nicht auch noch durch sein gewohnt etwas schmuddeliges Aussehen zu verschlimmern!

In unserer Lage zĂ€hlt jede Kilowattstunde – auch die aus Atomkraftwerken!

(06.09.2022)

 

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