Hans-Heinrich Dieter

Emotionen ├╝berlagern Vernunft!   (06.03.2022)

 

Der etwas arrogant und dreist auftretende ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, versch├Ąrfte den Streit um Deutschlands urspr├╝ngliche Weigerung, der Ukraine Waffen zur Verf├╝gung zu stellen, mit den Worten: ÔÇ×Auch wenn man mit Defensivwaffen ein einziges Leben eines Soldaten oder Zivilisten retten k├Ânnte, w├╝rde sich diese Entscheidung ├╝ber Waffenlieferungen der Ampel lohnen. Anstatt dessen ist man bereit, das Morden von Hunderttausenden einfach in Kauf zu nehmen.“ Damit verleumdete er die deutsche Bev├Âlkerung als kaltherzig und gef├╝hllos. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Strack-Zimmermann, FDP, zeigte zwar Verst├Ąndnis f├╝r die Sorgen und N├Âte der Ukraine und entsprechende Reaktionen ukrainischer Politiker, hielt aber dennoch dieses Verhalten Melnyks f├╝r befremdlich und meinte, zu unterstellen, Deutschland w├╝rde leichtfertig Hunderttausende Tote in Kauf nehmen, sei ÔÇ×ma├člos“. Recht hat sie!

Der ukrainische Pr├Ąsident Selensky hat die NATO f├╝r deren Nein zur Durchsetzung einer Flugverbotszone ├╝ber seinem Land kritisiert. In einer seiner vielen Ansprachen wandte er sich direkt an die Transatlantische Verteidigungsgemeinschaft: ÔÇ×Alle Menschen, die von heute an sterben, werden auch wegen Ihnen sterben, wegen Ihrer Schw├Ąche, wegen Ihres Mangels an Einigkeit. … Die Allianz hat gr├╝nes Licht f├╝r die Bombardierung ukrainischer St├Ądte und D├Ârfer gegeben, indem sie sich geweigert hat, eine Flugverbotszone einzurichten.“ Und meinte feststellen zu m├╝ssen, eine solche NATO-Flugverbotszone w├╝rde russische Luftangriffe auf die Ukraine unm├Âglich machen. Hier zeigt der ukrainische Pr├Ąsident intellektuelle Schw├Ąchen bei der Beurteilung politischer Realit├Ąten und M├Âglichkeiten sowie einen Hang, seine Emotionen der Ratio ├╝berzuordnen.

Der ukrainische Au├čenminister Kuleba haut emotional in die gleiche Kerbe: ÔÇ×Ich denke, es ist ein Zeichen von Schw├Ąche. … Es ist das ukrainische Volk, das den Preis f├╝r die z├Âgerliche Haltung der NATO zahlen wird. … Wenn wir den Luftraum verlieren, wird es viel mehr Blut am Boden geben.“

Diese ukrainischen Politiker haben den au├čen- und sicherheitspolitischen Auftrag der NATO nicht verstanden. Sie wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass das B├╝ndnis eine Pflicht zur Verteidigung jedes der 30 NATO-Mitglieder nach Artikel 5 des NATO-Vertrages hat und gewillt ist, jeden Meter des B├╝ndnisgebietes zu verteidigen – aber nur das B├╝ndnisgebiet! Diese nationalistisch orientierten ukrainischen Politiker verkennen au├čerdem die politische Zielsetzung der NATO, Frieden und Freiheit in Europa zu erhalten, auch mit dem Mittel der nuklearen Abschreckung. Die Ukraine ├╝bersieht auch, dass der irrsinnige Kriegsverbrecher Putin die russischen Nuklear-Verb├Ąnde in Alarmbereitschaft versetzt hat. Und die ukrainischen Politiker k├Ânnen offenbar strategisch und operativ noch nicht in unserem westlichen Sinne denken und verstehen deswegen die NATO nicht, wenn sie gestern erkl├Ąrt hat, dass ein solcher Schritt wie die Durchsetzung einer NATO-Flugverbotszone ├╝ber der Ukraine die akute Gefahr in sich birgt, einen direkten Konflikt zwischen der NATO und Moskau herauszufordern, was eine weitere Eskalation des Krieges, bis hin zum Einsatz von Nuklearwaffen nach sich ziehen k├Ânnte. Das muss unbedingt vermieden werden, auch im Sinne der ukrainischen Bev├Âlkerung!

Aus Sicht Selenskys mag es entt├Ąuschend sein, dass die vernunftbegabte und verantwortungsvoll handelnde NATO nicht bereit ist, gegen Russland in den Krieg zu ziehen. Aber die Sanktionen der geeinten westlichen Welt, die – nach Meinung Putins - schon einer Kriegserkl├Ąrung gleichkommen, sowie die Waffenlieferungen und weitreichenden wirtschaftlichen, finanziellen und humanit├Ąren Unterst├╝tzungen sind vern├╝nftigerweise das Beste, was die Ukraine in der jetzigen Situation bekommen kann.

Nationale Emotionen ukrainischer Politiker sind in der schwierigen Kriegssituation verst├Ąndlich. Emotionen d├╝rfen aber die politische Vernunft -gerade in einer Krise – nicht ├╝bert├Âlpeln. Selensky und Co machen deutlich, dass f├╝r die Ukraine noch ein weiter Weg zu gehen ist, bis ihr Werteverst├Ąndnis einen Beitritt, zum Beispiel zur EU, m├Âglich macht!

(06.03.2022)

 

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