Hans-Heinrich Dieter

NATO-Speerspitze   (11.06.2015)

 

Die NATO steht f√ľr n√ľchterne und an den politischen sowie milit√§rischen Tatsachen orientierte Realpolitik. Das westliche Verteidigungsb√ľndnis hat auf die v√∂lkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und auf die verdeckte Kriegsf√ľhrung Russlands, wohl mit dem Ziel der dauerhaften Destabilisierung der Ukraine, reagiert. Putins Russland hat sich au√üerhalb der Gemeinschaft westlicher Staaten gestellt. Die NATO hat daraufhin die Aktivit√§ten des NATO-Russlandrates eingefroren. Russland missachtet die Souver√§nit√§t der Ukraine und zeigt damit, dass es bereit ist, westliche Werte mit F√ľ√üen zu treten und in politisch-milit√§rische Konfrontationen zur√ľckzukehren, die dem Kalten Krieg √§hnlich sind. Die NATO reagiert auf die offensichtlich stark ver√§nderte sicherheitspolitische Lage und beschlie√üt beim Verteidigungsministertreffen im September 2014 in Wales verst√§rkte √úbungst√§tigkeiten in Polen und im Baltikum sowie die Bildung einer sehr schnell verlegbaren NATO-Speerspitze als Teil der ohnehin schon verf√ľgbaren NATO Response Force (NRF).

Und seit Dienstag √ľbt die NATO in der Ostsee, in Polen und im Baltikum in drei Gro√üman√∂vern mit circa 15.000 Soldaten aus 19 der 28 NATO-Staaten und drei Partnerl√§ndern ein ganzes Spektrum milit√§rischer Operationen. Die NATO hat diese √úbungen angek√ľndigt und √ľbt transparent f√ľr die √Ėffentlichkeit und auch Russland, um deutlich zu machen, dass die NATO es gegebenenfalls ernst meint mit der Verteidigung der Souver√§nit√§t der NATO-Mitglieder, der Integrit√§t ihres Staatsgebietes und unserer westlichen Werte.

In einigen Medien ist nat√ľrlich sofort die Rede vom gef√§hrlichen ‚ÄěS√§belrasseln der NATO“. Wir in Deutschland sind solche Verbalattacken gewohnt. Milit√§rs sind dadurch nicht zu beeindrucken, denn sie tun nichts anderes, als ihren Auftrag zu erf√ľllen. Aufgrund der durch Russland verursachten sicherheitspolitischen Lage√§nderung, muss die NATO ihre schnelle Reaktionsf√§higkeit verbessern und das milit√§rische Zusammenwirken von Truppenteilen der Partnerl√§nder optimieren, um Aggressoren glaubhaft abschrecken zu k√∂nnen.

Bei der √úbung BALTOPS in der Ostsee werden das Stoppen und Durchsuchen von Schiffen, U-Boot-Abwehr, Luftabwehr und Abwehr von Angriffen gegnerischer Schiffe, und zuletzt auch amphibische Landungen geprobt. Im Landman√∂ver SABER STRIKE im Baltikum und Ostpolen wird das Zusammenwirken von Truppenteilen aus 11 Staaten ge√ľbt. Und die √úbung NOBLE JUMP hat die rasche Verlegung der NATO-Speerspitze in Brigadest√§rke (etwa 3.000 Soldaten mit Waffen und Ger√§t) innerhalb von f√ľnf Tagen zum Thema.

Was nicht unter m√∂glichst realistischen Bedingungen ge√ľbt ist, klappt in einem dringenden Bedarfsfall nicht. Die NATO hat in √§hnlichem Rahmen seit Ende des Kalten Krieges das Zusammenspiel von realen Truppenteilen unterschiedlicher Nationen nicht mehr ge√ľbt. Die NATO wird die Man√∂ver-Ergebnisse auswerten und die schnelle Einsatzbereitschaft ihrer Speerspitze im Rahmen der NATO Response Force auf einen hohen Stand bringen. Das ist das richtige abschreckende Signal an den aggressiven Putin und ein mehr und mehr neo-imperialistisch agierendes Russland. Und es ist ein wichtiges und richtiges Signal an die baltischen Staaten, Polen und Partnerstaaten, dass die westliche Welt bereit ist, konsequent f√ľr ihre Werte und Partner einzustehen.

(11.06.2015)

 

 

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