Hans-Heinrich Dieter

“Misshandlung” des KSK   (13.06.2021)

 

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hatte Ende Mai 2020 eine hochrangige Arbeitsgruppe eingesetzt, um eine Strukturanalyse des KSK durchzuf├╝hren. Ausl├Âser waren rechtsextremistische Verdachtsf├Ąlle in dem Spezialkr├Ąfteverband sowie die Entdeckung von Munition und Sprengstoff auf dem Privatgel├Ąnde eines Kommandofeldwebels.

Seitdem erleben die Soldaten des KSK eine schwere, sehr belastende und die Einsatzf├Ąhigkeit stark einschr├Ąnkende Zeit. Unter vielen anderen berichtet der Skandal-Journalist Pindur  vom DLF ├╝ber: Rechtsextremismus im KSK - Eine Bundeswehr-Einheit auf Bew├Ąhrung! Schon mit dieser ├ťberschrift macht Pindur deutlich, dass er die Absicht verfolgt, das KSK insgesamt zu diskreditieren, denn die ganze ÔÇ×Einheit“ ist ja wegen ÔÇ×Rechtsextremismus“ auf Bew├Ąhrung. Und mit der demokratischen Haltung von Pindur ist es auch nicht weit her, denn er spricht ja nicht von mutma├člichem Rechtsextremismus oder von rechtsextremistischen Vorf├Ąllen, sondern unterstellt arrogant und anma├čend ÔÇ×Rechtsextremismus“. Die in unserem Rechtssystem geforderte Unschuldsvermutung beachtet Pindur nicht!

Und dann bem├╝ht Pindur auch noch den ehemaligen Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Bartels: ÔÇ×Ich glaube, dass Auswahl und Ausbildung bei den Spezialkr├Ąften eine besondere Rolle spielen. Man sucht die H├Ąrtesten der Harten. Man bildet sie dann in einer Weise aus, dass sie noch h├Ąrter werden. Und f├╝r manchen mag das mental zu dem Schluss f├╝hren, dass er sich auch politisch jetzt das h├Ąrteste, was er sich vorstellen kann, suchen muss. Und das ist dann der Nazi-Quatsch mit dem dann Einzelne in der Vergangenheit aufgefallen sind. …“ Das klingt so wie Klein-Fritzchen sich die Personalauswahl f├╝r das KSK vorstellt! F├╝r die Spezialkr├Ąfte werden die physisch und psychisch belastbarsten sowie milit├Ąrisch leistungsf├Ąhigsten Soldaten in einem sehr anspruchsvollen Verfahren ausgew├Ąhlt. Neben der charakterlichen Eignung wird auch ein ├╝berdurchschnittliches geistiges Leistungsverm├Âgen gefordert, das dumme und t├Ârichte Gef├╝hlsduseleien in der Regel nicht zul├Ąsst. Das wei├č Pindur nicht!

Pindur schwelgt im tr├╝ben Skandalisierungssumpf, genau wie nicht wenige andere Journalisten und Politiker. Er hat sichtlich Freude an den verungl├╝ckten ├äu├čerungen der Ministerin ├╝ber die ÔÇ×Mauer des Schweigens“ ├╝ber ÔÇ×toxische Strukturen“, ├╝ber eiserne Besen mit denen auszukehren sei, ├╝ber die nicht auszuschlie├čende Aufl├Âsung des gesamten KSK und ├╝ber die Ermutigung der ÔÇ×Mutigen“. Mit dem ÔÇ×Mutigen“ ist offenbar der Whistle-Blower-Hauptmann gemeint, der offensichtlich zu feige war, eine Meldung auf dem Dienstweg ├╝ber die von ihm beobachteten ÔÇ×Missst├Ąnde“ zu schreiben, der zu feige war, das Wehrbeschwerderecht zu nutzen und der zu feige war, sich bei seinem Kommandeur zu melden und mit ihm ├╝ber seine Eindr├╝cke und Erfahrungen zu sprechen. Da erstaunt es nicht, dass dieser feige Whistle-Blower in Uniform die zweij├Ąhrige Ausbildung zum KSK-Soldaten nicht geschafft hat. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer freute sich offensichtlich ├╝ber den ÔÇ×Hilferuf“ des feigen und ungeeigneten KSK-Offiziers. Sie k├╝ndigte Aufkl├Ąrung und Konsequenzen an und betonte, dass es bei der Null-Toleranz-Linie gegen├╝ber jeglichen rechtsextremen Vorf├Ąllen in der Bundeswehr bleibe. Und dabei ist AKK ganz offensichtlich nicht klar, dass sie mit ihren Aussagen ├╝ber die ÔÇ×Mauer des Schweigens“ und ├╝ber ÔÇ×toxische Strukturen“ in die verleumderischen Fu├čstapfen ihrer Vorg├Ąngerin von der Leyen getreten ist. Denn wer eine ÔÇ×Mauer des Schweigens“ bildet, verheimlicht und verschleiert vors├Ątzlich Verst├Â├če gegen Recht und Gesetz sowie Straftaten in der Bundeswehr. Wer so etwas in die ├ľffentlichkeit posaunt, diffamiert relativ pauschal und leistet einem Generalverdacht Vorschub. Das ist ein unverantwortliches Verhalten der Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, die ja nicht nur die Leitung des Ministeriums zu verantworten, sondern die auch einer F├╝rsorgepflicht f├╝r die Staatsb├╝rger in Uniform zu gen├╝gen hat, die eine pauschale Diffamierung mit einhergehendem Vertrauensverlust in der Bev├Âlkerung nicht verdient haben.

Die Bundesministerin setzte vor diesem diffamierenden und skandalisierenden Hintergrund am 29.05.2020 die Arbeitsgruppe unter Leitung des Generalinspekteurs der Bundeswehr ein, um eine Struktur- und Defizitanalyse zu rechtsextremistischen Tendenzen innerhalb des KSK durchzuf├╝hren und Schlussfolgerungen vorzulegen, wie Rechtsextremismus im KSK besser bek├Ąmpft und bereits im Keim erstickt werden kann. Die Arbeit der Arbeitsgruppe wurde durch die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages begleitet.

Die Arbeitsgruppe hat insgesamt 60 Ma├čnahmen ins Auge gefasst, die zur Probleml├Âsung beitragen sollen, ohne dass bei der Mehrzahl ein kausaler Zusammenhang mit den Vorkommnissen/ Fehlentwicklungen zu erkennen ist.

Hier die wichtigsten:

Die 2. Kompanie Kommandokr├Ąfte des KSK wird aufgel├Âst. Als Begr├╝ndung nannte das Ministerium eine Abschiedsfeier im April 2017, bei der es unter anderem zur Verwendung rechtsextremistischer Symbole gekommen sein soll. Dadurch soll auch falsch verstandener Korpsgeist beendet werden.

├ťbungst├Ątigkeit und internationale Kooperationen des KSK werden bis auf Weiteres eingestellt. Laufende Einsatzverpflichtungen sollen von anderen Einheiten ├╝bernommen werden, soweit das m├Âglich ist.

Der Ausbildungsbereich des KSK wird ins Heer eingegliedert und truppendienstlich der Infanterieschule des Heeres in Hammelburg, fachlich dem Ausbildungskommando des Heeres unterstellt.

Sowohl bei Kommando- als auch bei Unterst├╝tzungskr├Ąften des KSK werden neue Funktionen f├╝r stellvertretende Bataillonskommandeure und F├╝hrungsfeldwebel geschaffen.

Schl├╝sselpositionen wie Kommandooffiziere und -feldwebel sowie querschnittlich eingesetztes Personal sollen k├╝nftig nur zeitlich begrenzt im KSK Dienst tun. Innerhalb der Kommandokr├Ąfte soll eine Rotation in den Kompanien eingef├╝hrt werden.

Vorverwendungen au├čerhalb des KSK werden k├╝nftig f├╝r Kommandosoldaten zwingend Voraussetzung; F├╝hrungskr├Ąfte sollen verbindlich au├čerhalb des Kommandos in Ausbildung und F├╝hrung eingesetzt gewesen sein.

Der Kommandeur der Division Schnelle Kr├Ąfte, Generalmajor Andreas Hannemann, soll wegen der offensichtlichen Handhabungsprobleme mit Munition und Sprengstoff in einer Generalinventur die Vollz├Ąhligkeit von Munition, Sprengstoff, Ger├Ąt und Ausr├╝stung beim KSK erfassen. K├╝nftig werde zur Erfassung von Munition und Sprengstoff ein digitales System eingef├╝hrt: Eine falsch zu verstehende ÔÇ×Ausnahmestellung“ des KSK soll es zuk├╝nftig nicht geben.

Die Sicherheits├╝berpr├╝fungen werden erweitert und versch├Ąrft.

Medien begleiten die Bearbeitung des umfangreichen Ma├čnahmenkatalogs mit Interesse und ganz eigenem Verst├Ąndnis: Gregor Mayntz schreibt im Generalanzeiger unter der ├ťberschrift ÔÇ×Eine rechte Elitetruppe“: ÔÇ×Die Verteidigungsministerin nimmt den Waffenfund auf dem Grundst├╝ck eines KSK-Soldaten zum Anlass f├╝r einen Generalangriff auf die bisherige Organisation der Spezialkr├Ąfte.“ Und Holger M├Âhle kommentiert im Generalanzeiger: ÔÇ×KSK. Eine verschworene Einheit, ein geschlossenes System. Eine Truppe in der Truppe, leider auch mit einer besonderen – jedenfalls in Teilen – rechtsextremen Gesinnung. … Der KSK-Stall wird ausgemistet.“ Und ÔÇ×Kramp-Karrenbauer und ihr Generalinspekteur Zorn wollen das KSK aus der Braunzone holen!“

Im Rahmen der intensiven Untersuchungen kamen dann neue Problemfelder hinzu, wie unvorschriftsm├Ą├čiger Umgang mit Munition und m├Âgliche ungenehmigte Nebent├Ątigkeiten und Unregelm├Ą├čigkeiten bei der Auftragsvergabe der Einheit. Nun liegt der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe vor, der allerdings noch keinen wirklichen Abschluss darstellt, denn eine endg├╝ltige Entscheidung ├╝ber die Zukunft des KSK wird die Ministerin Kramp-Karrenbauer erst nach einem neuerlichen Besuch des KSK in Calw treffen.

Dem ÔÇ×Abschlussbericht“ zufolge wurden die 60 geplanten Ma├čnahmen weitgehend umgesetzt und die diesbez├╝glichen strukturellen Ver├Ąnderungen des vergangenen Jahres kommen ÔÇ×faktisch einer Neuaufstellung dieses Verbandes gleich“ wie General Zorn feststellt.

Zur sichtbarsten strukturellen Ver├Ąnderung im Zuge des laufenden Reformprozesses, der Aufl├Âsung der 2. Kompanie Kommandokr├Ąfte, die am 31. Juli 2020 erfolgt ist, hei├čt es in dem Bericht: ÔÇ×Diese Entscheidung basierte auf den Erkenntnissen, die im Nachgang der Abschiedsfeier des damaligen Kompaniechefs im Jahr 2017 bis zum Waffenfund bei einem Soldaten der Kompanie im Mai 2020 zu Tage traten. Diese manifestierten sich in toxischer F├╝hrungskultur in Verbindung mit fehlgeleitetem Eliteverst├Ąndnis sowie extremistischen Tendenzen, die bei dem betroffenen Personenkreis zu umfangreichen Ermittlungen f├╝hrten. Insgesamt war festzustellen, dass die verkrusteten Strukturen innerhalb der Kompanie nicht mehr reformierbar und somit in G├Ąnze aufzubrechen waren.

Im Zeitraum zwischen der Abschiedsfeier 2017 und der Aufl├Âsung der Kompanie im Jahr 2020 wurden bereits 26 Angeh├Ârige der 2. Kompanie, die an der Abschiedsfeier teilnahmen, versetzt oder im Zuge disziplinarer oder strafrechtlicher Ermittlungen aus dem KSK bzw. den Streitkr├Ąften entfernt. Im selben Zeitraum kamen 32 Soldaten neu in die 2. Kompanie hinzu, so dass insgesamt 66 Soldaten von der Aufl├Âsung betroffen waren. Diese wurden mit Wirkung vom 31. Juli 2020 zun├Ąchst innerhalb des Verbandes auf ein ÔÇ×Dienstposten├Ąhnliches Konstrukt“ versetzt und einzeln in einem vierstufigen Pr├╝fverfahren hinsichtlich ihrer gesicherten Verfassungstreue betrachtet. Neben dem KSK und den vorgesetzten Dienststellen waren sowohl das Bundesamt f├╝r den Milit├Ąrischen Abschirmdienst (BAMAD) als auch die zust├Ąndige Wehrdisziplinaranwaltschaft fest eingebunden. Bisher wurden bei 65 Soldaten keine Bedenken bez├╝glich ihrer charakterlichen Eignung und gewissenhaften Bindung an die freiheitlich demokratische Grundordnung festgestellt. 61 von ihnen werden daher an anderer Stelle innerhalb des KSK bzw. im AusbStpSpezKrH oder in den nunmehr der DSK zugeh├Ârigen PWT weiterverwendet. Zwei Soldaten wurden regul├Ąr au├čerhalb des Verbandes versetzt; ein Soldat ist in den Ruhestand getreten. Ein Soldat wird aus gesundheitlichen Gr├╝nden heimatn├Ąher verwendet werden. Die Personalma├čnahmen sind abgeschlossen. (…)

Seit der Entscheidung zur Aufl├Âsung der 2. Kompanie ist seitens BAMAD [Bundesamt f├╝r den Milit├Ąrischen Abschirmdienst] kein Angeh├Âriger des KSK als Extremist eingestuft worden. Ein Angeh├Âriger des KSK, der zum Zeitpunkt der Aufl├Âsung der 2. Kompanie bereits als Extremismusverdachtsfall bearbeitet wurde, ist zwischenzeitlich aufgrund der fortlaufenden Ermittlungen als Person mit fehlender Verfassungstreue (Kategorie ÔÇ×Orange“) eingestuft worden.

Ein rechtsextremistisches Netzwerk, d.h. ein Personenzusammenschluss nach der Definition des ┬ž 4 des Bundesverfassungsschutzgesetzes, der ziel- und zweckgerichtet an dem Beseitigen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung arbeitet, wurde nicht erkannt. Bekannt wurde ein Geflecht von Kontakten und Kennverh├Ąltnissen unterschiedlicher Art und Intensit├Ąt zwischen einzelnen im Fokus stehenden Personen, welche durch eine ├╝bereinstimmende Geisteshaltung getragen zu sein scheint und das weiterhin aufgekla╠łrt und bearbeitet wird.“ Allein schon dieses Ergebnis spricht gegen ÔÇ×toxische Strukturen“, Generalverdacht und Generalverleumdung, ÔÇ×Rechtsextremismus im KSK“ und die ÔÇ×Mauer des Schweigens“ die es abzurei├čen g├Ąlte!

Dem Bericht zufolge hat es beklagenswerte Fehlentwicklungen im KSK gegeben und die 60 Ma├čnahmen haben zu einem guten Erfolg bei der Bek├Ąmpfung von rechtsradikalen Tendenzen und Regelverst├Â├čen in kleinen Teilbereichen des KSK gef├╝hrt. Das ist die positive Feststellung. Die Arbeitsgruppe hat aber auch das Ziel formuliert: ÔÇ×Gleichzeitig ist es n├Âtig, die F├Ąhigkeiten der Bundeswehr zur Durchf├╝hrung von Spezialoperationen zu erhalten und ihre Einsatzbereitschaft sicherzustellen.“ Die diesbez├╝gliche Zielerreichung wurde nach meiner Einsch├Ątzung durch den mit den 60 Ma├čnahmen verbundenen ÔÇ×Generalangriff“, den ÔÇ×B├╝rokratie-Tsunami“ und die Dauer├╝berwachung ÔÇ×Orwellschen Ausma├čes“ allerdings stark beeintr├Ąchtigt, wenn nicht unm├Âglich gemacht.

Ein ÔÇ×Generalangriff“ auf die Organisation eines ganzen Verbandes ist nur bei einem – vorgeblich gerade nicht beabsichtigten - ÔÇ×Generalverdacht“ gerechtfertigt. Das KSK ist kein ÔÇ×geschlossenes System“, denn es ist ein Verband des Heeres und der Division Schnelle Kr├Ąfte truppendienstlich sowie dem Befehlshaber Einsatzf├╝hrungskommando f├╝r bestimmte Aufgabenbereiche und die F├╝hrung von Spezialkr├Ąfteoperationen unterstellt. Ein verschworenes Eigenleben und eine Abschottung sind nur dann m├Âglich, wenn die Dienstaufsicht der Division Schnelle Kr├Ąfte und die des Inspekteurs des Heeres unzureichend sind. Und die in Teilen rechtsradikale Entwicklung von Kommandosoldaten h├Ątte m├Âglicherweise schon unterbunden werden k├Ânnen, wenn die Dienstaufsichtsverpflichteten - vom Kommandeur Kommandokr├Ąfte, ├╝ber den Kommandeur KSK sowie ├╝ber den Kommandeur Schnelle Kr├Ąfte und den Inspekteur des Heeres bis zur damaligen Verteidigungsministerin von der Leyen – die in Teilen rechtsextreme Abschiedsfeier der 2. Kommandokompanie als Alarmsignal verstanden und geeignete Ma├čnahmen ergriffen h├Ątten. Die auf das KSK bezogene Feststellung im Untersuchungsbericht: ÔÇ×Die Dienstaufsicht aller Ebenen oberhalb der Kompanie im KSK hat in diesen Segmenten ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum eine bedenkliche Entwicklung nicht erkannt oder untersch├Ątzt.“ greift also erheblich zu kurz!

Und da der Bericht dankenswerterweise auch feststellt: dass die ÔÇ×├╝berw├Ąltigende Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten im KSK fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht und hervorragende Leistungen erbringt“ h├Ątte es auch keinen diskriminierenden  ÔÇ×Generalverdacht“ und keine pauschalen Ma├čnahmen geben d├╝rfen. Die unzureichende Dienstaufsicht aller F├╝hrungsverantwortlichen des KSK h├Ątte aus meiner Sicht zun├Ąchst aufgearbeitet werden m├╝ssen, denn das h├Ątte gegebenenfalls nachteilige Strukturver├Ąnderungen oder Einschr├Ąnkungen der Einsatzverpflichtungen verhindert.

Denn wenn die ├ťbungst├Ątigkeit und internationale Kooperationen des KSK ├╝ber l├Ąngere Zeit eingestellt werden, dann wird die Einsatzbereitschaft stark beeintr├Ąchtigt und der internationale Ruf des KSK besch├Ądigt. Diese Einsatzverpflichtungen k├Ânnen von anderen Einheiten der Bundeswehr aufgrund des fehlenden personellen und materiellen Leistungsprofils au├čerdem nicht ├╝bernommen werden.

Wenn der Ausbildungsbereich des KSK in das deutsche Heer eingegliedert (war er doch schon immer) und truppendienstlich der Infanterieschule des Heeres in Hammelburg, fachlich dem Ausbildungskommando des Heeres unterstellt wird, dann verlieren der Kommandeur Kommandokr├Ąfte und der Kommandeur KSK wesentliche, untrennbar mit ihrer F├╝hrungsverantwortung verbundene, Aufgaben und Kompetenzen. Der Kommandeur KSK kann nicht f├╝r die Einsatzbereitschaft seiner Soldaten verantwortlich sein, ohne die daf├╝r erforderliche Ausbildung pers├Ânlich zu verantworten. Bei der Infanterieschule und beim Ausbildungskommando des Heeres wird au├čerdem ├╝ber lange Zeit die erforderliche Ausbildungskompetenz f├╝r das Schultern dieser Verantwortung nicht vorhanden sein. Die Zusammenarbeit mit anderen nationalen Spezialkr├Ąften im Bereich der Ausbildung wird au├čerdem dadurch voraussichtlich erheblich beeintr├Ąchtigt bzw. zum Erliegen kommen.

Die geplante – an George Orwell erinnernde - F├╝lle der Kontroll- und ├ťberwachungsma├čnahmen hat au├čerdem zu einem b├╝rokratischen Aufwand gef├╝hrt, der Ausdruck fehlenden Vertrauens ist und nicht nur die Moral der betroffenen Soldaten beeintr├Ąchtigen wird, sondern auch ihre Leistungsf├Ąhigkeit aufgrund fehlender Ausbildungszeit.

Das demonstrierte Misstrauen der vorgesetzten Kommandobeh├Ârden und Befehlshaber hat ganz offensichtlich nicht nur einen erheblichen Vertrauensverlust der Kommandosoldaten in die politische Leitung und die milit├Ąrischen F├╝hrer erzeugt, sondern auch psychische Krankheitserscheinungen wie ÔÇ×moral injury“ hervorgerufen, die die Einsatzbereitschaft sehr stark schw├Ąchen – insbesondere wenn bis zu 60 Kommandosoldaten davon betroffen sind!

F├╝r mich gilt weiterhin, dass die Soldaten des Kommando Spezialkr├Ąfte sorgf├Ąltig ausgew├Ąhlt und intensiv – mit Sinn und Fachverstand - ausgebildet sein m├╝ssen, um schwierige Auftr├Ąge von sicherheitspolitischer Bedeutung f├╝r Deutschland erfolgreich erf├╝llen zu k├Ânnen. Das kann nur gelingen auf der Grundlage kameradschaftlichen Zusammenhaltes, gegenseitigen Vertrauens und professioneller Zusammenarbeit. Daraus erw├Ąchst ein besonderer Charakter dieses milit├Ąrischen Hochleistungsverbandes, an den hohe Anspr├╝che zu stellen sind. Die jetzt erzeugte Verantwortungs-Diffusion, die kaum noch zu ├╝berschauende Aufsplitterung von Zust├Ąndigkeiten, insbesondere in der Ausbildung, und der Kompetenzentzug des Kommandeurs KSK f├╝r wesentliche Teile seiner F├╝hrungsverantwortung (z. B. auch die Auslagerung der f├╝r Nachwuchsgewinnung zust├Ąndigen PWT in die Division Schnelle Kr├Ąfte) werden die Einsatzf├Ąhigkeit unserer Spezialkr├Ąfte f├╝r lange Zeit beeintr├Ąchtigen. Au├čerdem wurde im Zusammenhang mit der Ma├čnahmenflut die Chance vertan, eine leistungs- und zukunftsf├Ąhige streitkr├Ąftegemeinsame F├╝hrungsstruktur f├╝r alle Spezialkr├Ąfte der Bundeswehr zu schaffen - eine wichtige Voraussetzung f├╝r eine wirkungsvolle Zusammenarbeit in ÔÇ×joint/combined operations“. Insofern kann man durchaus von einer politisch-medialen ÔÇ×Misshandlung“ des KSK sprechen!

Und auch ich darf mich ÔÇ×misshandelt“ und diffamiert f├╝hlen, denn im Schlussbericht hei├čt es auch: ÔÇ×R├╝ckblickend muss konstatiert werden, dass die Ursachen von Missst├Ąnden und Fehlentwicklungen in die Vergangenheit zur├╝ckreichen, die Auswirkungen sich ├╝ber die Jahre kumuliert und bisweilen als unheilvolle Fehlkultur etabliert haben.

Damit stellt sich unwillk├╝rlich die Frage nach der Verantwortung ehemaliger Vorgesetzter. Stellungnahmen der Kommandeure des KSK und deren Vorgesetzter, der Kommandeure der Division Schnelle Kr├Ąfte (ehemals Division Spezielle Kr├Ąfte) liegen vor.“ Da ich der 2. Kommandeur des KSK von 1998 bis 2000 war, stellt sich bei dieser ungenauen Feststellung auch die Frage nach meiner Verantwortung f├╝r die m├Âgliche Entwicklung ÔÇ×unheilvoller Fehlkultur“. Und damit wird der ÔÇ×Generalverdacht“ ohne Beweisf├╝hrung auf mich ausgeweitet. Man hat von mir keine Stellungnahme verlangt und ich habe ein gutes Gewissen. Um einen Verdacht aber ├╝berhaupt nicht aufkommen zu lassen, h├Ątte man anst├Ąndigerweise auch ÔÇ×konstatieren“ sollen, bis in welche Zeit die Fragestellungen nach der Verantwortung ehemaliger Vorgesetzter zur├╝ckreichen. Ich war der letzte Kommandeur, der direkt unter der F├╝hrungsebene des Ministers Spezialkr├Ąfteeins├Ątze gegen Kriegsverbrecher im ehemaligen Jugoslawien selbst gef├╝hrt hat. Ich habe aufgrund der Einsatzvorbereitungen intensive Dienstaufsicht gef├╝hrt und aufgrund meiner F├╝hrungsverantwortung bei den anspruchsvollen Spezialkr├Ąfteeins├Ątzen ein sehr enges Verh├Ąltnis zu den Soldaten des KSK entwickelt. Mir sind damals keine ÔÇ×toxischen Typen“ in ÔÇ×toxischen Strukturen“ aufgefallen. F├╝r uns standen der weitere Aufbau des KSK und die gleichzeitige erfolgreiche Einsatzf├╝hrung im Vordergrund – wir hatten ├╝berhaupt keine Zeit f├╝r ideologische Fehlentwicklungen!

Mir sind die Soldaten des KSK damals sehr ans Herz gewachsen. Deswegen machen die erkannten Fehlentwicklungen traurig – allerdings auch die zum Teil erkennbar untauglichen, weil die Einsatzbereitschaft stark beeintr├Ąchtigenden Ma├čnahmen. Man kann nur hoffen, dass die Kommandosoldaten irgendwann zu ihrer ehemaligen anerkannt hohen Leistungsf├Ąhigkeit zur├╝ckfinden!

(13.06.2021)

 

 

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