Hans-Heinrich Dieter

Fake Speech   (08.06.2019)

 

US-PrĂ€sident Trump kommt zum Staatsbesuch nach Großbritannien und nimmt auch an den D-Day-Feierlichkeiten in Portsmouth und in der Normandie teil.

Dazu schreibt die WELT-Reporterin Martina Meister: „Und plötzlich schafft es Trump, zum ernsten Staatsmann zu reifen. … Macron hat die Union „freier, geeinter Völker“ beschworen, Trump die „wertvolle, unzerstörbare Verbindung“ zwischen den Alliierten.“ (Wie „meisterlich“ das gedacht ist, mag jeder fĂŒr sich entscheiden!)

Die WASHINGTON POST hingegen schreibt ziemlich entgeistert: „Trump glaubt scheinbar, dass D-Day fĂŒr Donalds Day steht. Es gelang ihm, eine Norm der PrĂ€sidial-Etikette nach der anderen zu brechen. Er log, er mischte sich in die Politik Großbritanniens ein, als er dem Land einen harten Brexit empfahl. Bei seinem Treffen mit dem irischen Premierminister Leo Varadkar, einem Brexit-Gegner, empfahl Trump gar eine 'Mauer' entlang der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland - das Letzte, was beide Seiten wollen. Zu seiner Verteidigung versuchte Trump wahrscheinlich nicht, die Brexit-Verhandlungen im Kleinformat zu fĂŒhren; er wusste einfach nicht, wovon er sprach - wie so hĂ€ufig. Seine Possen sind zu Hause schon schlimm genug; es ist besonders peinlich, wenn er das ganze Land im Ausland vertreten soll.“

Und die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA ist nachsichtig: „Es ist Trump gelungen, keine katastrophalen Böcke zu schießen und niemanden ernsthaft zu beleidigen. Auch die Anti-Trump-Demonstration in London war im Grunde ein rituelles Ereignis. Trump ist fĂŒr die EuropĂ€er kein unberechenbares Ungeheuer mehr. Er ist vielmehr ein ungehobelter Verwandter, den man ab und zu auf Familienfeiern einladen muss und dessen – freundlich ausgedrĂŒckt – untypische Verhaltensweisen man ganz einfach ertragen muss.“

Bei aller Nachsicht muss man aber feststellen, dass sich Trump einmal mehr der „fake speech“ schuldig macht, wenn er anlĂ€sslich eines Tages der fĂŒr Frieden in Freiheit in einem inzwischen geeinten Europa steht, die „wertvolle, unzerstörbare Verbindung“ zwischen den Alliierten beschwört. Dabei lĂ€sst er keine Gelegenheit aus, die EU als wirtschaftlichen und politischen Gegner zu behandeln und zu spalten und die aus seiner Sicht ĂŒberflĂŒssige NATO zu diskreditieren bzw. zu verunsichern. Trump pfeift auf ein echtes Bekenntnis zu den Werten der transatlantischen Allianz und zu dem partnerschaftlichen Multilateralismus, der die westliche Welt bisher ausgezeichnet und stark gemacht hat.

In seinem geradezu gegnerischen Verhalten gegenĂŒber der EU und der NATO ist Trump so etwas wie ein „Bruder im Geiste“ mit Putin – Putin ist allerdings offensichtlich sehr viel intelligenter, politisch erfahrener und hat einen Plan!

G B Shaw sagte einmal: „Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden als wir es verdienen.“ Trump ist gewĂ€hlter PrĂ€sident der USA und die WĂ€hler tragen Verantwortung fĂŒr die politische Lage, in der sich die Vereinigten Staaten befinden. Da fragt man sich, wie lange die BĂŒrger noch einen PrĂ€sidenten ertragen wollen, von dem man sagt: „Seine Possen sind zu Hause schon schlimm genug; es ist besonders peinlich, wenn er das ganze Land im Ausland vertreten soll.“

So schwierig es auch ist, wir werden uns weiter um ein möglichst gutes VerhĂ€ltnis zur Bevölkerung der USA bemĂŒhen mĂŒssen, denn es gibt doch hoffentlich eine Zeit nach Trump!

(08.06.2019)

 

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